Ludwig Huna

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Ludwig Huna (* 18. Januar 1872 in Wien; † 28. November 1945 in St. Gallen in der Steiermark) war ein österreichischer Romancier und Dramatiker.

Huna war der Sohn des k.u.k Oberst-Leutnant Ludwig Huna und der Marie Wawra. Er besuchte die Militär-Unterrealschule in Kaschau, danach die Militär-Oberrealschule in Mährisch Weißkirchen und absolvierte dann die Theresianische Militärakademie in Wiener Neustadt. 1893 wurde er als Leutnant beim k.u.k. Infanterie Regiment Nr. 100 ausgemustert.[1] Von 1896 bis 1902 leistete er Dienst als Ergänzungsbezirksoffizier. 1897 wurde er Oberleutnant. 1904 besuchte er die Korpsoffizier-Schule in Krakau. 1906 trat er aus dem Heer aus. Nach einer Duellverweigerung ging er durch ehrenrätlichen Beschluss seiner Charge verlustig, wurde aber 1918 rehabilitiert.

Huna hatte schon während seiner Militärzeit dramatische Arbeiten zu veröffentlichen begonnen, war aber damit nicht sonderlich erfolgreich. Erfolg erlangte er als Romancier. Sein erster Roman Offiziere (1911) war noch in dem ihm vertrauten Militärmilieu angesiedelt, sein zweiter Roman Monna Beatrice (1913) gab dann schon im Untertitel Liebesroman aus dem alten Venedig die Richtung seiner späteren Erfolge vor, nämlich als produktiver und viel gelesener Verfasser erotisch aufgeladener historischer Romane – Hermann Schreiber spricht von „historisch verbrämter Voyeursprosa“. Seine Darstellung hemmungsloser Tat- und Sinnenmenschen, gern in der Renaissance angesiedelt, fand vor allem in der Zwischenkriegszeit ein zahlreiches Lesepublikum. Sein größter Erfolg war die Borgia-Trilogie, in deren drei Romane Die Stiere von Rom, Der Stern des Orsini und Das Mädchen von Nettuno die Schicksale um die notorische Familie des Papstes Alexander VI. Rodrigo Borgia und seiner Kinder Cesare und Lucrezia in der Lesererwartung entsprechender Form dargestellt wurden. Als Beispiel der Hunaschen Prosa der Anfang des ersten Bandes[2]:

„Trastevere rast in lachendem Taumel dahin. Der Karneval wirbelt in Glutfarben durch die engen Gassen des Tiberviertels. Die Luft ist von Freude, Sinnenlust, Blütenduft und Weinseligkeit geschwängert. Über der Tiberinsel fliegen feurige Garben in den Nachthimmel, der seine Sternenlampions auf dem dunklen Baldachingrund über der unheiligen Stadt Petri leuchten lässt.“

Und nicht nur wildgewordene Metaphern rasen einher:

„Warm weht der Wind durch die Gassen. Er streut den Blütenregen unzähliger Rosen über Mädchen und Frauen, die in verschlungnen Reigen dahinbrausen, als suchten sie, thyrsusschwingende Thyaden, das Tempelfest ihres leuchtenden Gottes mitten im heiligen Rom wieder heimisch zu machen. Arme schlingen sich umeinander, Lippen schwellen sich Küssen entgegen, der Atem dampft von Sinnlichkeit, bunte Steine klirren an dem Halse der braunen Schönen von Trastevere, die ihr alltägliches Elend unter dem Jauchzen der Karnevalsnacht begraben oder es mit dem Flitter flüchtiger Liebe vergolden.“

Diese Meisterschaft schwül-erotischer Sprachverdichtung soll von der katholischen Kirche durch Aufnahme der Borgia-Trilogie in dem Index Librorum Prohibitorum gewürdigt worden sein.[3]

Die Christus-Trilogie, bestehend aus den Romanen Ein Stern geht auf, Das hohe Leuchten und Golgatha, erschien 1938 und 1939. Über diese äußerte Huna[4]:

„Wenn es der Malerei gestattet ist, das Bild Marias als arische Mutter aufzufassen, dann muß es auch dem Dichter freistehen, mit besonderer Berücksichtigung der unsemitischen Geistigkeit der Lehre des Meisters seine Gestalt als absolut arisch zu zeichnen, also von einer arischen Mutter geboren, von göttlichem Geiste beseelt.“

Huna war Mitglied des Rings Nationaler Schriftsteller, eines völkisch-antisemitisch ausgerichteten österreichischen Schriftstellervereins. Er trat zum 5. Juni 1932 der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 1.082.752).[5][6]

Huna starb 1945 mit 73 Jahren im steiermärkischen St. Gallen. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg fanden Neuauflagen seiner Romane unter anderem im Programm von Buchgemeinschaften erneut eine Leserschaft.

  • Hans Kandolf: Ludwig Huna (1872–1945). Erinnerung an den einst sehr erfolgreichen Schriftsteller aus dem obersteirischen St. Gallen. In: Da schau her 22 (2001), H. 2, S. 8–12.
  • Hermann Schreiber: Huna, Ludwig. In: Wilhelm Kühlmann (Hrsg.): Killy Literaturlexikon. Autoren und Werke des deutschsprachigen Kulturraumes. 2., vollst. überarb. Aufl. de Gruyter, Berlin 2009, Bd. 6, S. 15.
  • Huna, Ludwig. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 3, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1965, S. 11.

Einzelnachweise

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  1. Hermann Clemens Kosel: Deutsch-österreichisches Künstler- und Schriftsteller-Lexikon. Bd. 1. Wien 1906, s. v.
  2. Huna: Die Stiere von Rom. Leipzig 1920, S. 5.
  3. Vgl. Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Bd. 3. Wien 1994. Die tatsächliche Aufnahme in den Index konnte nicht verifiziert werden.
  4. Zitiert nach Waldemar Oehlke: Deutsche Literatur der Gegenwart. Deutsche Bibliothek Verlagsgesellschaft, Berlin 1942, s. v.
  5. Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/12940101
  6. Uwe Baur und Karin Gradwohl-Schlacher: Literatur in Österreich 1938–1945. Band 4: Wien. Böhlau, Wien 2018, S. 361–64 (library.oapen.org [PDF]).